Das Brautstehlen


Das Brautstehlen ist sicher einer der ganz  alten Bräuche im Rahmen des Hochzeitsfestes und es hat wahrscheinlich auch tiefe symbolische Bedeutung. Die Braut verlässt das Elternhaus, ihre bisherige gewohnte Umgebung und beginnt mit dem Bräutigam  einen neuen Abschnitt in ihrem Leben. Wann und wo dieser Brauch entstand ist völlig unbekannt, er ist aber weit verbreitet.

Mit diesem Brauch soll zum Ausdruck kommen, dass der Bräutigam, der künftige Ehemann, auf seine Frau besonders gut zu achten habe und die Wertschätzung zum Ausdruck gebracht werden soll.

Wenn die Hochzeitsgesellschaft mit Brautpaar, Verwandtschaft und Freunden, Bekannten und Nachbarn in den „großen Saal des  Gasthauses eingezogen sind (zumeist im 1. Stock), setzte man sich zum großen Festessen, es werden vielleicht einige Trinksprüche auf das Glück des jungen Paares unter die Gesellschaft gebracht. Dann wird noch die Hochzeitstorte von der Braut angeschnitten, die Musik bringt die Musik für die Ehrentänze –

Im Laufe dieser Zeit haben sich meist Burschen, die die Braut schon lange kennen, allenfalls sogar ehemalige Freunde einen Plan zurecht gelegt, wie sie die Braut, ganz heimlich ohne dass es die anderen merken, aus dem Saal verschwinden lassen können. Erst wenn bei der Hochzeitsgesellschaft der „Diebstahl“ bekannt wurde, machten sich der Bräutigam und der Brautführer mit einigen, ev. auch zahlungskräftigen Hochzeitsgästen, und mit einer kleinen Abordnung der Musik auf, im ganzen Ort die Braut zu suchen. Sollte der Bräutigam  lange Zeit nicht merken, dass seine Braut abhandengekommen ist, so wird ihm von eingeweihten Burschen ein als Braut verkleideter Besenstiel in die Arme gedrückt.

Inzwischen war in einem naheliegenden anderen Gasthaus bereits alles vorbereitet, dass die sogenannten „Diebe“ mit der Braut in einem Seitenstüberl Platz finden, wo die Braut sozusagen verbarrikadiert wurde. Mindestens zwei bis drei Diebsburschen saßen zur Linken und zur Rechten, um bei einem raschen Gegenangriff die Braut nicht wieder vorzeitig zu verlieren. Natürlich hat dabei  die kleine Diebsgesellschaft ausgiebig auf Kosten der Hoch-zeitsgesellschaft  gezecht, meist übernahmen der Brautvater und der Brautführer  diese Zeche. Damit er wieder an die Braut herankommt und sie frei bekommt, muss meist der Bräutigam  etliche Aufgaben lösen, zumeist zur Unterhaltung der Gäste: z.B.  aus einer Menge Eiklar Schnee schlagen, oder mit den Schuhen seiner Braut eine Runde im Gastzimmer herumgehen oder mit verbundenen Augen mehrer Waden von Gästen abtasten bis er die Wade seiner Braut findet.

Je länger die Suche und das Herankommen an die Braut dauerte, die größer wurde die Zeche. Sobald der Bräutigam seine Braut wieder in Händen hielt, muss er zum endgültigen Auslösen der Braut einige Schluck Sekt aus dem Schuh seiner Braut trinken. Dann  bricht er mit seiner Braut, mit der Musik und der Gesellschaft wieder auf, um im ursprünglichen Gasthaus ihre Hochzeit weiter zu feiern.