Das Federnschleissen


 

Wenn die anstrengende Arbeit nach dem Dreschen, nach dem Saustechen und dem Keksbacken im Advent bzw. das Saubermachen im ganzen Haus vor Weihnachten vorbei war, das Neujahr angebrochen war, hatten die Bäuerinnen und die Mägde die passende Zeit, die über das ganze Jahr, vor allem aber die seit dem Martinitag (11. November) gesammelten und getrockneten Federn zu schleißen.

 

 

Das Federnschleißen heißt: den weichen Teil der Feder vom Kiel zu trennen, wobei genau unterschieden wurde zwischen

1. den Daunen, die schon beim Rupfen der Gänse gesondert behandelt und aufbewahrt wurden, um ein Daunenbett für die Babys und Kleinkinder zu bekommen

 

2. den Gänsefedern, die vor allem für die Tuchenten geschlissen wurden
3. den Entenfedern, die vor allem für die Kopfpolster verwendet wurden.
4. Hühnerfedern wurden in seltenen Fällen verwendet, diese landeten zumeist sofort auf dem Misthaufen.

 

 

 

Die Frauen trafen sich in der Stube eines Bauernhauses, wo zumeist die Bäuerin die Federn bereits auf einem großen Tisch vorbereit hat. Dazu mussten alle Fenster geschlossen sein, und die hinterher eintretenden Frauen äußerst zart die Türe auf und schließen mussten. Jeder Luftzug war in der Lage, dass sich die Feder sich in der ganzen Stube verteilen und herumwirbeln könnten. Keine Person durfte so eine heftige Bewegung tun, noch viel schlimmer war das Husten oder Schneuzen. Burschen trieben so des Öfteren Streiche und öffneten kurz die Stubentür, sofort wurde mit heftigem Geschrei und Gezeter aufbegehrt.

 

Mit flinken Fingern zupften die Frauen dann Feder für Feder und schnitten mit der Schere die oberste Spitze weg, stundenlang, tagelang, hin und wieder auf großen Höfen, eine ganze Woche. Jede Feder war wertvoll, besonders der untere Bereich mit dem flaumigen Teil, weil sie die weichsten Daunen waren. Der Kiel war Abfall und wurde fallen gelassen. Am Abend sammelte die Hausmagd, die sogenannte „Dirn“ diesen Abfall und brachte ihn zum Misthaufen.

 

Wenn dann gar heiratsfähige Töchter oder Buben im Haus lebten, so bemühte man sich, man trachtete, dass rechtzeitig für das Bettzeug genügend Tuchenten und Polster als „Aussteuer“ da waren. An der Menge der Aussteuer wurde ja gezeigt, welch wirtschaftliches Können, welche Kraft und Tüchtigkeit am Bauernhof vorhanden war. Außerdem entstand damit auch das warme Bettzeug für die ganze Bauersfamilie und für das Gesinde. Die gesammelten Federn und die Daunen kamen dann je nach Qualität in die jeweiligen Inletts und wurden von der Bäuerin meistens im Schlafzimmer gut verstaut.

 

 

 

Natürlich gab es in so einer Frauenrunde viel Klatsch und Tratsch, es gab auch immer wieder zu trinken, wobei die Frauen mitunter auch gehörig Most aus dem eigenen Keller holten und die Leute zum Abend hin allmählich ganz schön lustig wurden. Und es gab auch beträchtlichen Meinungsaustausch und für die Leute, Wissenswertes, was sich „bei den Leuten“ so tut. Man erfuhr über die neuesten Liebschaften und Verhältnisse, warum der Toni mit der Vroni Schluss gemacht hat und was man so dort und da gehört hat. Es wurde aber auch schließlich viel gesungen und hatte seine Gaudi an diesem Tag.

 

 

 

Nach getaner Arbeit gab es eine zünftige Jause und ausreichend zu trinken. Das war der Lohn für die Frauen, denn bezahlt wurde für diese Tätigkeit nicht. Die Leute betrachteten das Federnschleißen als gemütlichen, nützlichen Zeitvertreib, bei dem auch die Nachbarschaft gepflegt wurde. Wer dabei nicht eingeladen wurde oder wer bei dieser Sache nicht mitmachte, wurde geradezu als Außenseiter betrachtet.

 

Vielfach kamen dann am Abend die Männer nach, um ihre Frauen abzuholen, um sie nicht in der stockfinsteren Nacht alleine nach Hause gehen zu lassen. Und wer hätte denn für die Männer zu Hause etwas zum Essen gerichtet. Und so ließ man die Federnschleißer-Abende gemütlich mit einem Tratsch und meist auch mit Musik ausklingen.

 

 

 

Sobald bei einem Bauern mehrere Tage gearbeitet wurde und schließlich auch am Ende des wochenlangen Federnschleißen kam es dann zumeist bei dem Bauern mit der größten Stube zum Polstertanz.

 

In den Ortschaften mit einem Wirt lud man zum „Federn-Ball“.

 

 

 

Da gab es das Lied im Landlertakt:

 

  1. An Polster, Polster muaß ich, muaß ich haben, an Polster muaß ich kriegn, und wer mir will a Busserl, Busserl gebn, der muaß si nieder knien. Untern Kopf und übern Kopf lass ich mein Polstern schwinga, und bald ich zu mein Schatzerl kimm, lass ich mein Polsterl singka.

  2. Jetzt nimm ich mein Schatzerl und fiahr sie zan Tanz, Dirndl, ich hab´die recht gern, d´ Freiheit g´hert da ganz. Untern Kopf und übern Kopf lass ich mein Polstern schwinga, und bald ich zu mein Schatzerl kimm, lass ich mein Polsterl singka.

 

 

 

Der Polsterltanz war eine großartige Unterhaltung im Dorf. Er dauerte oft bis tief in die Nacht hinein, oft gar bis zum Morgen hin. Dass daraus immer wieder Liebschaften entstanden, ist leicht zu verstehen; natürlich ging aus diesen Abenden nicht nur Liebschaften hervor, auch so manche Ehe keimte hier zwischen Knecht und Dirn auf, zwischen der Bauerstochter und dem jungen Burschen vom Nachbardorf.