Der Eiserne Wehrschild


 Ein Schild aus Fichtenholz, in einem Kreuz das Stadtwappen, darüber in der Mitte die alte Kaiserkrone, links und rechts die Initialen von Kaiser Franz Josef I. und dem dt. Kaiser Wilhelm II., die Jahreszahlen 1914 – 1915 und unzählige Nägel eingeschlagen - so präsentiert sich eines der interessantesten Kleindenkmäler Steyreggs aus der Zeit des 1. Weltkriegs. Dieser „Eiserne Wehrschild“ hängt im Stiegenhaus des Stadtamtes, und eisern heißt er deshalb, weil er durchs Benageln schlussendlich ganz eisern hätte werden sollen.

 

Er war von einem Steyregger Hilfskomitee als Sammelaktion zur Unterstützung von Kriegerwitwen und Waisen in Auftrag gegeben und am 31. Okt. 1915 feierlich enthüllt worden. Den 1. Nagel schlug ihre Exzellenz Gräfin Ungnad von Weißenwolff ein. Weil die staatlichen Hilfsaktion nicht über die nötigen Finanzmittel verfügten und diese durch die Dauer des 1. Weltkrieges gänzlich versiegten, griffen Patrioten, die nicht mit der Waffe an der Front dabei sein konnten und etwas zum Sieg der Monarchie beitragen wollten, zu vielen Arten der Unterstützung . Neben den Zeichnungen von Kriegsanleihen war eben so ein Wehrschild Gelegenheit für eine Spendensammlung. Und wer sich an der Benagelung nicht beteiligte, riskierte sogar, von der Bevölkerung als „unpatriotisch“ und als Vaterlandsverräter gebrandmarkt zu werden.

 

Geschaffen hat diesen schön gestalteten Wehrschild der Bildhauer Rudolf Reindl aus Urfahr, der ihn auch uneigennützig dem Hilfskomitee überlassen hat. Im Vorjahr hat diesen Schild der Restaurator Franz Gillmayr gereinigt, restauriert und dem Kleindenkmal wieder den alten Glanz verschafft. Die Fotos rechts zeigen den Webrschild vor und nach der Restaurierung.

 

Aus den Korrespondenzen des Linzer Volksblattes vom 26. Oktober 1915 wird hingewiesen:

 

Steyregg (Wehrschild).

Am nächsten Sonntag, den 31. d.M., vormittags, wird der Wehrschild, der auf Veranlassung des Hilfskomitees für Steyregg hergestellt wurde, feierlich enthüllt werden, worauf gleich mit der Benagelung desselben zugunsten unserer Soldaten und deren Hinterbliebenen begonnen wird.“

 

Aus den Korrespondenzen des Linzer Volksblattes vom 31. Oktober 1915:

 

Steyregg (Wehrschildfeier).

Heute Sonntag, fand die feierliche Enthüllung eines Wehrschildes in Steyregg auf dem Platze vor dem Schulhause statt. Wie immer bei patriotischen Festlichkeiten war auch hier die Beteiligung der Bevölkerung überaus groß. Erschienen waren auch ihre Exzellenz Gräfin Ungnad v. Weißenwolff mit den Kindern der Prinzessin Thurn und Taxis, ferner Nikolaus Ungnad Reichsgraf v. Weißenwolff, die k.k. Gendarmerie, Vertreter der Stadtkommune und der Gemeinde und des Verteranenvereines, die Pfarrgeistlichkeit u.m.a. In der Festrede legte hochw. Kooperator Franz Achleitner die Bedeutung eines Wehrschildes dar und appeliertean den gewohnten patriotischen Opfersinn der Steyregger und schloß mit einem Hoch auf Kaiser und Armee. Unter den Klängen der Volkshymne wurde dann der Wehrschild enthüllt und gleich mit der Benagelung begonnen, während dem die Musikkapelle unter Leitung des Herrn Kapellmeisters Eder einige Stücke spielte. Den ersten Nagel schlug ihre Exzellenz Gräfin Ungnad v. Weißenwolffein und bald sah man eine große Anzahl Nägeln am Schilde prangen. Herzlicher Dank gebührt namentlich den Damen von Steyregg, die sich um den Verkauf der Nägel bemühten und überhaupt viel zum Gelingen des Festes beigetragen haben. Alles war erstaunt über die prunkvolle Ausführung des Wehrschildes, der sicher seinesgleichen im Lande sucht. Mit Ehre und Dank sei darum auch des Schöpfers unseres Wehrschildes gedacht, des Herrn Bildhauers Rudolf Reindl in Linz, der in uneigennütziger Weise die Ausführung übernommen hatte.“

 

Aus den Korrespondenzen des Linzer Volksblattes vom 4. November 1915:

 

Steyregg (vom Wehrschild).

Baronin Cerini, die auf Besuch im Schlosse Steyregg weilt, erschien beim Wehrschild und schlug einen Nagel ein. Der Wehrschild ist im Gemeindehause jederzeit zur Benagelung zugänglich“.


Der Eiserne Wehrschild ist ein Beispiel eines der über 200 Steyregger Kleindenkmäler. Weitere Informationen zu diesem Projekt finden Sie in der Rubrik "Kleindenkmäler".